So eine Scheiße!
Hier ist alles bald vorbei. Ich weiß inzwischen sogar schon, wann ich sowie meine Sachen abgeholt werden und nach München abtransportiert werden. Das ist zwar sehr schön, weil München sehr schön ist und Familie und Ihr da seid (naja, größtenteils). Aber, wenn ich ehrlich bin, finde ich es eigentlich tieftraurig.
Ich werde nicht in Paris bleiben. Aus vielen Gründen. Wieso auch nicht?!
So ein schöner Ort! So gut, so spannend! So witzig und seltsam! Wirklich, ich werde nicht müde, all das immer wieder laut zu sagen.
Es ist erstaunlich, wie gut und wie schlecht es mir hier gleichzeitig gehen kann. Ich bin hier wahrlich nicht bester Laune; was vielleicht auch damit zusammenhängt, dass ich seit knapp zwei Tagen – wegen einer Arbeit, die abzugeben war – nicht einen Moment (vom Ausrutscher in der Métro vorhin mal abgesehen) geschlafen habe. Aber dann genügt auch schon wieder die kleine Anlage an der Kreuzung Rue Tournefort/Rue Lhomond/Rue Pierre Brossolette, eingetaucht in dieses so absurde Licht, dass diese Stadt in der Abenddämmerung beherrscht, um mich lachen zu machen. So gut! Das quartier latin ist wirklich wunderschön: ein wenig wie das französische Viertel in Haidhausen, nur auf einem Hügel. Um mich glücklich zu machen, reicht es dann auch schon zu sehen, wie eine Frau in ihrem Peugeot 1007 bei geöffneter (Schiebe-)Fahrertür die Kreuzung Rue de Rennes/Boulevard Saint-Germain in aller Seelenruhe rübertuckert und diskret, ohne auch nur eine Spur von Scham, eine Bananenschale auf der Bus-Spur hinterlässt.
Am wunderbarsten jedoch, das habe ich erst vor kurzem gelernt, ist es zu sehen, wie Touristen, vor allem Pärchen aus den USA und aus Japan, in voller Verzückung mit geöffneten Mündern plötzlich an irgendeiner Ecke stehen bleiben und es eigentlich gar nicht fassen können hier sein zu dürfen. Ja, hier ist man nicht, hier darf man sein. Da ist das Paris-Syndrom doch gleich vergessen. Da freut man sich für diese Menschen, dass sie sich so freuen! Und plötzlich sind es Touristen, die einem zeigen, was man eigentlich hat. Wie ein Traum! Ich will mir gar nicht vorstellen, wie viele Menschen abends in ihrem Bett, in ihrem Futon, ihren Bambusmatten, ihren Hängematten oder in ihren Bushaltestellen liegen und tatsächlich davon träumen, endlich mal Paris zu sehen! Nur einmal! Ich habe es doch bis zum 23. August des letzten Jahres doch auch getan! Und zwar seit Ewigkeiten, Abend für Abend!
Derweil erleide ich eine andere, viel härtere Version des Paris-Syndroms. Ich habe mir fest vorgenommen, in jedem Fall mit einem Jahr zufrieden zu sein. Ich hatte mein Jahr in Paris. Und das war ziemlich cool! Mehr wollte und brauchte ich doch auch gar nicht. Und das ist auch in Ordnung so. Nur muss ich jetzt leider zugeben, dass ich mir den Entzug – den ich bis jetzt ja nur ahnen kann – nicht so hart vorgestellt hatte. Wie ist das dann erst, wenn ich weg bin?
Ich bin auch zufrieden mit diesem einen Jahr, keine Frage. Etwas besseres konnte doch gar nicht passieren! Mir zumindest nicht. Aber ich würde gerne noch mit ein paar mehr Jahren (sagen wir etwa sechzig, gerne auch nur fünfzig, darüber ließe sich verhandeln) zufrieden sein wollen. Jaja, der kleine Finger zuerst, dann die ganze Hand… die alte Leier.
Ich habe doch hier auch noch soviel zu machen! So oft war ich zu langsam und habe mich selbst zu sehr zurückgenommen! Uni-Stress, keine Kohlen, keine Laune. Und jetzt? Jetzt ist es einfach schon sehr spät für alles.
Ach, das ist doch lächerlich. Und ich (Zitat) “mülle” (Zitat Ende) Euch auch noch voll damit! Nun, dafür ist das hier ja auch da. Mann, immerhin ist Paris noch auf dem selben Kontinent. Meine amerikanischen (Nord- wie Südamerikaner), austral-ozeanischen, asiatischen und afrikanischen Freunde habe da ein noch viel größeres Problem (das sich allmählich auch immer mehr durchsetzt und unser aller Gedanken beherrscht). Da muss ich jetzt eben meine Reisefrequenz einfach um das Vierfache erhöhen. Einmal Paris alle zwei Monate muss schon gehen. Das ist doch nur vernünftig.
In genau fünf Wochen bin ich wieder in München. Aber bin ich dann auch zu Hause?
Nun, Ende der Schmonzette! Musik soll sprechen! Höchst poppig, aber es ist ja auch der Text, der zählt! Nur für uns beide!
>>>Harvey Danger>>>Flagpole Sitta>>>

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